Späte Lehren aus frühen Warnungen

Vorsorge wird für die Bevölkerung nicht unbedingt groß geschrieben

Vorsorge für die Bevölkerung wird in Bereichen, die für einige große Industrien wichtig und ertragreich sind, nicht unbedingt groß geschrieben. Zu stark ist die Macht der profitierenden Konzerne.

Endlich hat sich 2001 eine offizielle Einrichtung, die Europäische Umweltagentur (EEA) darüber Gedanken gemacht und 

“untersucht, wie das Konzept der Vorsorge in den letzten hundert Jahren von politischen Entscheidungsträgern und -trägerinnen im Umgang mit einer Vielzahl von Risiken angewendet wurde.”

Das Umweltbundesamt (UBA) hat dankenswerterweise zusammen mit der Europäischen Umweltagentur die deutsche Übersetzung erstellt. Untersucht wurden 12 Fallbeispiele, die zeigen, wie in der Vergangenheit mit dem Thema Vorsorge umgegangen wurde.

Ein Beispiel ist der Wunderstoff Asbest

Seit den ersten Warnungen durch das britische Gewerbeaufsichtsamt im Jahr 1898 vergingen etwa 100 Jahre, bis 1999 in der EU alle Asbestarten verboten wurden.

Anthophyllite asbestos SEM

Asbestfaser – REM Aufnahme

Asbest verursacht die Lungenkrankheit Asbestose und kann nach einer Zeit von 15 – 25 Jahren zu Lungenkrebs führen. 

Carcinoma asbestos body lung

Asbestfasern und Lungenkarzinom

 Ein weiteres Beispiel: Ionisierende Strahlung

„Ionisierende Strahlung ist eine Bezeichnung für jede Teilchen- oder elektromagnetische Strahlung, die in der Lage ist, Elektronen aus Atomen oder Molekülen zu entfernen, sodass positiv geladene Ionen oder Molekülreste zurückbleiben.“ 

Wikipedia

Logo iso radiation

Das neue Warnzeichen für gefährliche radioaktive Stoffe

Auch bei diesem Beispiel vergingen von den ersten Warnungen 1896 durch Edison, Tesla und Grubbe etwa 100 Jahre, bis 1996 eine EU-Richtlinie über ionisierende Strahlung eingeführt wurde.

100 Jahre!

100 Jahre Leid, Schmerz, Trauer für die Gewinne weniger Menschen.

Wie lange dauert es wohl, bis ein Vorsorgeprinzip bei der sich stark ausweitenden Mobilfunkstrahlung eingeführt wird?

“Umweltchemikalien, infektiöse Krankheiten, Ausbeutung natürlicher Ressourcen am Beispiel Fischfang – so sehr die Beispiele sich unterscheiden, so ähnlich ist doch das gesellschaftliche Reaktionsmuster. Ersten Hinweisen auf Probleme folgt oft jahrzehntelange wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskussion, oftmals begleitet von politischer Untätigkeit. Zögerlichkeit, Unentschlossenheit und bereitwillige Nachgiebigkeit gegenüber Lobbyinteressen haben in vielen Fällen zu hohen Kosten für die Volkswirtschaften geführt.” …

 

“Die daraus resultierenden volkswirtschaftlichen Schäden sind horrend. Sie übersteigen die Gewinne bei weitem, die sich Hersteller gefährlicher Güter bis zum Zeitpunkt des Vermarktungsverbots gutschreiben können. Im eigentlichen Sinn des Wortes unermesslich sind jedoch die vermeidbaren Schäden am menschlichen Leben und seiner Gesundheit. Fallstudien zu Radioaktivität, Benzol und BSE zeigen dies mit bedrückender Deutlichkeit.”

UBA

Welch eine klare und deutliche Aussage!

Hier geht es zum Text: Späte Lehren aus frühen Warnungen

Das Beitragsbild ist ein Ausschnitt aus dem Titelbild der Schrift Späte Lehren aus frühen Warnungen (UBA)

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