Radon – ein Energiesparproblem?

Zugegeben, eine provokative Frage. Radon ist ein natürliches Zerfallsprodukt und deshalb schon immer in unserer Umwelt. In vielen Gebieten Deutschlands ist die natürliche Radonkonzentration sehr hoch.

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Radonkarte des Bundesamt für Strahlenschutz

Dennoch, seit vielen Jahren hat die Energieeinsparung Hochkonjunktur. Energieeinsparung ist ja auch ein wichtiges Thema. Es werden Fassaden und Dächer gedämmt, Fenster erneuert, Heizsysteme optimiert. Leider werden bei diesen Sanierungsmaßnahmen oft viele Dinge übersehen. 

Ziel einer energetischen Sanierung ist es, weniger Energie zu verlieren. Deshalb werden Gebäudeöffnungen, die einen unkontrollierten Luftaustausch verursachen verschlossen, Fenster so abgedichtet, dass an den Fugen kein Luftaustausch mehr stattfinden kann usw.

Wie sieht es aber mit den Eintrittswegen von Radon aus? Werden die auch abgedichtet? Wo früher Radon über undichte Bauteile auch abgelüftet werden konnte bleibt nun das Radon im Haus.

Vom 16.6. bis 28.10. führte ich eine Messung in einem Altbau durch. Das Gebäude ist nur teilunterkellert, die Fenster sind aber neu und relativ dicht. In der Zeit vom 03.08. bis 11.08. waren die Bewohner in Urlaub. Die Werte in dieser Zeit sind interpoliert. Das Ergebnis zeigt die Grafik unterhalb:

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Radonkonzentration im Altbau

 

Während des Urlaubs entstand eine Konzentration von 180 Bq/m³. Auch danach, stieg die Konzentration bedingt durch das schlechte Wetter immer höher und näherte sich den 180 Bq/m³ an.

Gesundheitliche Effekte des Radon

Radon und seine Zerfallsprodukte werden vom Menschen mit der Atemluft aufgenommen. Die gesundheitliche Gefährdung geht weniger vom Radongas selbst aus, das zum größten Teil wieder ausgeatmet wird, sondern von seinen kurzlebigen Zerfallsprodukten. Dabei handelt es sich um die radioaktiven Schwermetalle Polonium und Wismut, die überwiegend an die in der Luft befindlichen Aerosole oder Staubteilchen angelagert sind und nach dem Einatmen im Atemtrakt abgelagert werden und dort zerfallen. Die dabei entstehende energiereiche radioaktive Alphastrahlung trifft die strahlenempfindlichen Zellen des Lungengewebes und kann zu einer Schädigung der Zellen führen und damit die Entstehung einer Lungenkrebserkrankung begünstigen.

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Eintrittswege des Radon in die Lunge

 

Risikobewertung und Empfehlungen

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat auf Basis der jüngeren wissenschaftlichen Erkenntnisse bereits 2004 in Zusammenarbeit mit dem Bundesumweltministerium ein Konzept für Strahlenschutzmanahmen zur Verminderung der Strahlenexposition durch Radon in Aufenthaltsräumen entwickelt. Damit sollen nicht nur Spitzenwerte gekappt, sondern zusätzlich eine generelle Absenkung der Radonkonzentrationen in Aufenthaltsräumen erreicht werden.

Ab einer Belastung von 100 Bq/m3 Innenraumluft sollen in Abhängigkeit von der Höhe der Radonkonzentration Sanierungsmanahmen bei bereits bestehenden Gebäuden innerhalb bestimmter Zeiträume (bis zu 10 Jahren) durchgeführt werden. Dabei soll der Aufwand für Sanierungsmaßnahmen in Relation zur Höhe der gemessenen Radonkonzentration stehen. Neu zu errichtende Gebäude sollen so geplant und gebaut werden, dass in den Aufenthaltsräumen Radonkonzentrationen von mehr als 100 Bq/m3 im Jahresmittel vermieden werden.

Bundesamt für Strahlenschutz – Radon in Häusern

Im Amtsblatt der Europäischen Union L 13/1 – 17.1.2014 wurden am 05.12.2013 Sicherheitsnormen festgelegt, die europaweit Schutz vor künstlicher und natürlicher Radioaktivität im Haus bieten. Diese Sicherheitsnormen müssen von den Mitgliedsstaaten bis spätestens 06.02.2018 umgesetzt werden. Unter anderem wird in Artikel 74 (1) gefordert: 

Die Mitgliedstaaten legen nationale Referenzwerte für die Radonkonzentration in Innenräumen fest. Der Referenzwert für die Aktivitätskonzentration in der Luft im Jahresmittel darf 300 Bq/m³ nicht überschreiten.

Als Wert immer noch etwas hoch, aber zumindest ein erster Schritt.

Das Beitragsbild wurde vom Verband Baubiologie erstellt.

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